rapperswilerstrasse

Programm

Mehrfamilienhaus mit 54 Wohnungen

Standort

Rapperswilerstrasse, Wetzikon

Bauherrschaft

Anlagestiftung Adimora

Planung

einsarchitekten AG

Parzellenfläche

2'392 m²

Geschossfläche

6'451 m²

Gebäudevolumen

23'585 m³

In Unterwetzikon treffen sehr unterschiedliche Ordnungen aufeinander. Die Rapperswilerstrasse verbindet Bahnhof, Einkauf, Gewerbe und Sportanlagen; dahinter öffnen sich Wiesen, Baumreihen und die grossen Flächen des Messegeländes. Was lange landwirtschaftlich geprägt war, ist heute ein Ort des Wechsels: werktägliche Leere, alltäglicher Verkehr, Sportbetrieb, Chilbi, ZOM, Pub Festival und Zirkus legen sich zeitweise übereinander. Der neue Baukörper steht mitten in diesem Spannungsfeld. Er sucht weder die Ruhe der Landschaft noch die Härte des Gewerbegebiets allein, sondern eine Form, die beides aufnehmen kann.

Die Setzung folgt der eigentümlichen Lage zwischen Strasse und Messe. Zur Rapperswilerstrasse hin wird der öffentliche Raum gestärkt. Die Verbindung zwischen Bahnhof und Messe wird durch Grün, Erdgeschossnutzung und eine bessere Fuss- und Veloführung lesbarer. Die bestehende Baumreihe wird weitergeführt; an der spitz zulaufenden Ecke entsteht ein kleiner Pocket Park. Die Erschliessung der Fahrzeuge erfolgt rückwärtig, damit der Strassenraum nicht weiter von Zufahrten und Restflächen besetzt wird. So entsteht an einem bisher schwer fassbaren Ort eine klare Adresse.

Der Baukörper reagiert auf seine Umgebung mit einer gestaffelten Figur. Zwischen der stark befahrenen Strasse und dem periodisch bespielten Messegelände entstehen geschützte Aussenräume, Vorgärten und eine grüne Wohngasse. Die Fassade weicht zurück, springt vor, bildet Nischen und erlaubt Rückzug im Freien. Das Haus wird dadurch nicht zu einem isolierten Block, sondern zu einem vermittelnden Körper, der die Massstäbe der Umgebung aufnimmt: die grossen Hallen und Parkplätze ebenso wie die kleineren Schuppen, Gärten und baumgesäumten Wege.

Auch im Innern wird diese Logik weitergeführt. Die Wohnungen ordnen sich um eine zentrale Erschliessung, die nicht bloss Verteiler ist, sondern gemeinsamer Raum. Licht fällt von oben in die Tiefe des Hauses; Laubengänge, Brüstungen und Durchblicke bilden eine innere Gasse. Damit wird ein Typus gesucht, der preisgünstiges Wohnen nicht auf Effizienz reduziert. Die kompakte Organisation schafft kurze Wege und klare Grundrisse, lässt aber dennoch räumliche Weite, Orientierung und nachbarschaftliche Begegnung zu. Die Materialisierung übersetzt die Gegensätze des Ortes in eine robuste Fügung. Der Sockel nimmt mit Mauerwerk und Holz den menschlichen Massstab auf und bildet eine vertraute, taktile Schicht zum Aussenraum. Darüber verweist der Holzbau mit hinterlüfteter Metallfassade auf die industrielle Nachbarschaft und die grossen Fassaden der Umgebung. Holz, Beton und Metall stehen nicht nebeneinander wie Zitate, sondern bilden ein einfaches, lesbares Gefüge. Das Haus erhält damit eine Erscheinung, die zwischen Landschaftsrand, Messebetrieb und Wohnalltag vermitteln kann.